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"Ich würde wieder Neurologe werden"

Kassel. Er hat ein Vierteljahrhundert lang die Kasseler Neurologie geprägt: Prof. Dr. Andreas Ferbert, Direktor der Neurologie im Klinikum Kassel, ist gestern offiziell in den Ruhestand verabschiedet worden. Der 65-jährige Neurologe und Diplom-Psychologe bleibt dem Krankenhaus der Maximalversorgung aber noch bis Ende August erhalten, um einen nahtlosen Übergang zu seinem Nachfolger zu ermöglichen.

Prof. Ferbert hat die Neurologie im Klinikum konsequent zu einer Klinik mit überregionaler Bedeutung ausgebaut, hat stets den medizinischen-wissenschaftlichen Fortschritt im Blick gehabt und die Vernetzung mit anderen Disziplinen engagiert vorangetrieben. Als er am 1. August 1992 die Leitung der Klinik übernahm, standen 54 Betten für neurologische Patientinnen und Patienten zur Verfügung. Heute sind es 71 sowie 4 Betten in der Zentralen Notaufnahme für Patienten mit Symptomen eines leichten Schlaganfalls, die von dem 36-köpfigen Ärzteteam betreut werden.

Unter Prof. Ferbert nahm die Neurologie häufig eine Vorreiterrolle ein: Im Klinikum Kassel wurde 1999 die erste Schlaganfall-Spezialstation (Stroke Unit) in Hessen eingerichtet, die schon kurz darauf als überregionales Schlaganfallzentrum von der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe anerkannt wurde. Bundesweites Neuland betrat das Klinikum mit der gemeinsamen Intensivstation von Neurologie und Neurochirurgie. Im Neurozentrum, an dessen Gründung Prof. Ferbert maßgeblich mitwirkte, sind alle Fachrichtungen des Klinikums eng vernetzt, die für die Behandlung komplexer Erkrankungen des Kopfes notwendig sind. Und im Neuronetz Mitte arbeitet das Klinikum mit 13 anderen Krankenhäusern aus Hessen und angrenzenden Bundesländern zusammen, um Schlaganfallpatienten flächendeckend optimal zu versorgen.

Als „eine Persönlichkeit, die für die Medizin und speziell für die Neurologie brennt“, bezeichnete  Birgit Dilchert, Personalvorstand der Gesundheit Nordhessen, den demnächst ausscheidenden Klinikdirektor. Prof. Ferbert sei als Experte seines Faches bundesweit anerkannt und genieße gleichzeitig das Vertrauen von Patienten und deren Angehörigen. Dilchert erinnerte auch an die unruhige Zeit der Gründung der Gesundheit Nordhessen Holding, als Prof. Ferbert zwei Jahre lang Ärztlicher Geschäftsführer des Klinikums war. „Auch diese für ihn komplett neue Aufgabe hat er  souverän gemeistert.“

Chefarztkollege Prof. Dr. Wolfgang Deinsberger hob die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Neurologie und Neurochirurgie hervor, die in nur wenigen Kliniken so reibungslos funktioniere. Er lobte Prof. Ferbert als Mediziner, aber auch als Wissenschaftler. Er sei immer für neue Therapien offen gewesen, habe sie aber stets mit wissenschaftlichem Ansatz betrachtet und sein Team ermuntert, auch „querzudenken“ und nach neuen Wegen zu suchen.

Die spannende Neurologie, die Beschäftigung mit den Patienten, die Auseinandersetzung mit komplexen Erkrankungen, den Austausch mit Mitarbeitern und Kollegen anderer Fachrichtungen – all das wird Prof. Ferbert künftig vermissen, wie er selbst sagt. „Als Neurologe muss man viele Faktoren im Kopf haben, verknüpfen und die richtigen Schlüsse ziehen. Das ist spannend und ich lerne immer noch hinzu. Ich würde auf alle Fälle wieder Neurologe werden.“ Auch die Entscheidung für das Klinikum Kassel habe er nie bereut: „Die Klinik mit einem Einzugsgebiet von fast einer Million, in der auch seltene neurologische Krankheiten zu behandeln waren, war so attraktiv, wie ich es mir vorgestellt hatte.“

Prof. Ferbert stammt aus Worms und hat in Düsseldorf und Bonn Medizin studiert. In Bonn absolvierte er zusätzlich ein Psychologiestudium, „als weitere Methode um die Leistungen des Gehirns erfassen zu können“, wie er sagt. Seine Facharztausbildung absolvierte er in Bonn, Köln und Aachen. Seit 1986 war er Oberarzt in der Neurologie der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, seine dortige Habilitation wurde mit dem Friedrich-Wilhelm-Preis der RWTH Aachen ausgezeichnet. Ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft führte ihn ein knappes Jahr nach London (National Hospital for Neurology, Queens Square). Anfang August 1992 übernahm er die Leitung der Neurologie am Klinikum Kassel.

Prof. Ferbert setzt sich seit Jahrzehnten in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen für die Belange der Neurologie ein, unter anderem als Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie, als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurointensiv- und Notfallmedizin und Erster Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für neurowissenschaftliche Begutachtung. Auch der Kommission der Bundesärztekammer zur Neufestsetzung der Richtlinien zur Hirntod-Diagnostik gehörte er an.

Im Ruhestand wird dem Cellisten Ferbert mehr Zeit für Konzerte mit dem Kasseler Kaskaden-Quartett bleiben, dem er seit 1998 angehört. Auch die drei wenige Monate alten Enkelkinder werden ihn und seine Ehefrau Dr. Inge Ferbert sicherlich auf Trab halten.

Als neuer Direktor der Klinik für Neurologie fängt am 1. September Prof. Dr. Julian Bösel an.

 
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