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Mehr als nur ein Job

Abitur, Ausbildung, Studium – mit 24 Jahren hat Jonathan Friedrich schon enorme Erfahrungen als Pflegekraft gemacht. Er kommt aus Hofgeismar und möchte dort auch bleiben. In der dortigen Kreisklinik gehört er inzwischen zur Leitungsebene.

Für Jonathan Friedrich beginnt der Tag unglamourös. An seinem Arbeitsplatz in der noch leeren Notaufnahme klickt er um kurz nach sechs Uhr morgens den Dienstplan an, der eine Lücke anzeigt. Der Zwischendienst am Freitag kommender Woche ist noch unbesetzt. „Man muss die Zeit nutzen, bevor es hier richtig losgeht“, sagt Friedrich, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen. Noch ist kein Rettungswagen avisiert, im Wartebereich sitzt auch niemand. Doch das Ende der Ruhe ist nur einen Alarm der Leitstelle entfernt. Er schätzt diese Zeit besonders, weil sie nicht oft vorkommt.

Jonathan Friedrich ist 24 Jahre alt und stellvertretende Stationsleitung der Zentralen Notaufnahme (ZNA) und Intensivstation am Krankenhaus Hofgeismar. Er gehört zu einer neuen Generation von Pflegekräften, deren Ausbildung deutlich akademischer ausgerichtet ist: Abitur, Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger, Pfleger in der Kreisklinik Hofgeismar, Studium der Pflege- und Gesundheitsförderung (B. A.) in Darmstadt – so lauten die bisherigen Stationen von Jonathan Friedrich. Und es geht munter weiter: Eine Weiterbildung zur Notfallpflegekraft ist für 2020 eingeplant.

Behält er dieses Tempo bei, wird sich Jonathan Friedrich als pflegerische Führungskraft auch weiterhin etablieren. Dabei vermittelt er nicht den Eindruck eines Menschen, der stets seine Karriere im Blick hat. Im Gegenteil: Einer hilft dem anderen – so lautet ein Grundsatz von ihm. „Es kommt immer was Positives zurück“, sagt Friedrich. Und er hat eine gute Selbsteinschätzung: „Ich kann bei weitem nicht alles. Und wir als Krankenhaus Hofgeismar können auch nicht alles, aber wir machen hier eine sehr gute und patientenorientierte Medizin und Pflege.“

Dazu kommt, dass Friedrich nahezu alle Beschäftigten mit Namen kennt. Bei den Patienten ist es oft nicht anders. Als er später am Vormittag eine Patientin auf Station verlegt, liegt im Bett daneben eine Freundin seiner Mutter. Er spricht kurz mit ihr, will wissen, ob alles okay ist. Ob er was für sie tun kann? Das Gespräch dauert weniger als eine Minute, wird der Patientin aber in Erinnerung bleiben. Es geht um Wahrnehmung und Wertschätzung.

Auch in der Notaufnahme hilft ein Dialog oft über die erste Aufregung hinweg.

„Wir hatten hier einen älteren Herrn, der stationär aufgenommen werden musste“, berichtet Friedrich. „Seine größte Sorge war der Hund, der jetzt allein im Haus war. Er bat mich, falls die Zeit sei, seine Nachbarin anzurufen. Damit war der Hund erstmal versorgt und sein Blutdruck ging ganz automatisch runter.“ Der Patient war in solcher Sorge, er wäre trotz seiner gefährdeten Gesundheit nicht in der Klinik geblieben.

All die Dinge, die Friedrich neben der eigentlichen Medizin erledigt – vom fehlenden Spritzschutz auf einem Zimmer der Intensivstation bis zum Anruf bei der Nachbarin zur Hundeversorgung – gehen ihm leicht von der Hand. Jonathan Friedrich ist lösungsorientiert und kennt seine Rolle. „Wir sind hierauch ein bisschen Sozialdienst. Und wann immer es geht, muss man sich dafür die Zeit nehmen“, sagt er.

Jonathan Friedrich stammt aus Friedrichsdorf direkt westlich von Hofgeismar und hat sich für die Kreisklinik entschieden. Er schätzt die kurzen Dienstwege, die flachen Hierarchien, die gegenseitige Hilfe. Er tut viel dafür, damit das so bleibt. Jonathan Friedrich ist gekommen, um zu bleiben.

IM INTERVIEW:
JONATHAN FRIEDRICH