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Neuartige Genanalysen bei Krebserkrankung
Die Diagnostik von Tumorerkrankungen steht an einem Wendepunkt – mit Hilfe von tiefergehenden molekularen Genanalysen und bioinformatisch-gestützten Auswertungsprogrammen. Von diesem Durchbruch sollen auch Krebspatient*innen in Nordhessen profitieren. Daher hat der Fachbereich Pathologie des MVZ Gesundheit Nordhessen am Standort Klinikum Kassel unter der Leitung von Prof. Dr. Irina Berger in die hochmoderne, neue Generation der Next-Generation Sequencing (NGS)-Technologie investiert. „Mit dem vollautomatisierten Genexus-System von Thermo Fisher Scientific wird es nun möglich, eine personalisierte Behandlung von Tumorpatienten effizienter und zielgerichteter zu gestalten“, so Prof. Berger. Die Pathologie nutzt die NGS-Technik der Thermo Fisher Scientific Plattform bereits seit über fünf Jahren und kann mit dem neuen Gerät nun noch präzisere und schnellere Ergebnisse erzielen.
Das NGS-Labor leitet Dr. Salima Mrabet-Dahbi. Sie ist von der Schnelligkeit und insbesondere von der hohen Sensitivität des neuen Systems begeistert. Daher geht sie davon aus, dass sich diese Plattform als fester Bestandteil innerhalb der onkologischen Diagnostik etablieren wird: „Mein Antrieb ist es, allen Patient*innen Zugang zu den bestmöglichen Therapien gewähren zu können. Jede Probe, die wir erhalten, dürfen wir nicht nur als eine Nummer verstehen, sondern auch und vor allem als ein persönliches Schicksal, das sich dahinter verbirgt“, erklärt sie.
Das MVZ Gesundheit Nordhessen hat im Jahr 2025 in das Genexus-System von Thermo Fisher im Wert von mehreren Hunderttausend Euro investiert. Es ist für NGS-Analysen verschiedenster Tumore geeignet, wie zum Beispiel Prostata-, Pankreas- und Magenkrebs. Innerhalb dieser sowie auch gynäkologischer Tumore (Mamma- bzw. Ovarialkarzinome auch als Brust- bzw. Eierstockkrebs bekannt) spielen sogenannte BRCA-Testungen eine entscheidende Rolle. Hierbei geht es um Gene, die für die Reparatur von DNA-Doppelstrangbrüchen verantwortlich sind. Sind diese mutiert, kommt es zum Ausfall des Reparatur-Mechanismus, wodurch die Tumorentstehung begünstigt wird. Der Nachweis von BRCA1/2-Mutationen ist somit ausschlaggebend für die Therapieplanung. Die Analyse ist inzwischen eine Leistung der gesetzlichen Krankenkasse bei vielen Tumorpatient*innen. Es gibt jedoch auch Ausnahmen – je nach Stadium und Tumorart.
Neben der BRCA-Testung umfasst die NGS-Analytik auch den Nachweis aller weiteren, genetischen Veränderungen von Krebs-induzierenden Genen (Onkogene); ebenso können im Zuge solcher Testungen mögliche Keimbahnmutationen identifiziert werden. Zur Bestätigung dieser und somit eines erblich bedingten Risikos ist jedoch eine zusätzliche humangenetische Abklärung erforderlich. Diese würde dann nicht nur den Tumorpatient*innen selbst, sondern auch die Familienangehörigen betreffen.
Zu den besonderen Vorteilen des neuen Gerätes am Standort Klinikum Kassel zählen sowohl sein hohes Auslastungspotenzial als auch seine Schnelligkeit. Mit nur einem einzigen Analysenlauf und je nach Fragestellung können bereits 16 bzw. 32 Patientenproben gleichzeitig innerhalb von nur einem Arbeitstag untersucht werden. „Dank dieser neuen NGS-Technologie können wir heute mit beeindruckender Geschwindigkeit die Kolleg*innen in den Kliniken über das individuelle, molekulare Tumorprofil informieren, so dass sie ihre Therapieoptionen mit den Patient*innen schon deutlich frühzeitiger besprechen können“, erklärt Dr. Mrabet-Dahbi.
Neue Möglichkeiten für Tumorpatient*innen – Zugang zu innovativen Medikamenten
Außerdem können dank der hohen Sensitivität des Systems Therapie-relevante Mutationen weit unterhalb der Nachweisgrenze erfasst werden und somit auf bereits sehr frühe Stadien des Tumorgeschehens aufmerksam machen.
Die neue NGS-Technologie verhilft den Krebs-Patient*innen insgesamt zu einem besseren Zugang zu aktuellen als auch außerhalb der Standardleitlinien (off-Label) bestehenden Therapien.
Ein besonderes Novum am Standort Klinikum Kassel wird die HRD-Diagnostik (Homologe Rekombinations-Defizienz) sein, die voraussichtlich ab Mai verfügbar ist. Hierbei handelt es sich um eine Analytik mit einem großem Genpanel (umfasst 500 Gene), um die Reparatur-Fähigkeit von Tumorzellen bestimmen zu können.
| Weitere Informationen zum Fachbereich Pathologie des MVZ Gesundheit Nordhessen finden Sie auf der Webseite des Fachbereichs. |