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News & Presseinformationen

Neuro-COVID: Klinikum Kassel kooperiert mit LMU München

Prof. Dr. Julian Bösel weist auf Beteiligung des Nervensystems bei COVID-19-Erkrankung hin

Kassel

Eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus kann auch das Nervensystem betreffen. Auf diese neuen Erkenntnisse weist Prof. Dr. Julian Bösel, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel hin:  „Riechstörungen, Geschmacksstörungen, Halluzinationen, Bewusstseinsstörungen und jede Art neurologischer Ausfallerscheinungen -  z.B. Sehstörungen, Sprechstörungen oder Lähmungen - können auch Symptome einer COVID-19-Erkrankung sein“, sagt er.

Viele Patienten beobachten einzelne dieser Symptome neben den typischen Krankheitszeichen wie Fieber und Husten. Es sei aber auch möglich, dass Infizierte nur diese neurologischen Veränderungen allein feststellen. „Bei milden Verläufen scheinen die neurologischen Begleiterscheinungen nach einigen Tagen zu verschwinden“, fasst Prof. Bösel erste Beobachtungen zusammen. Mit seinem Team behandelt er auch Patienten in der am Klinikum Kassel eigens eingerichteten, separaten COVID-19-Notaufnahme „Corona Care Unit“ (CCU) sowie konsiliarisch auf der COVID-19-Intensivstation des Klinikum Kassel.

Aktuell arbeiten Wissenschaftler daran, den Zusammenhang zwischen schweren Verläufen von COVID-19 und einer Beteiligung des Nervensystems zu verstehen. „Zumindest in einer Studie aus China wurde ein solcher Zusammenhang beschrieben. Aber wir wissen noch zu wenig darüber, weil bisher größere systematische Studien fehlen. Die Klinik für Neurologie am Klinikum Kassel koordiniert mit der Ludwig-Maximilians-Universität München eine Studie, die deutschlandweit Patienten mit intensivstationären Verläufen mit Beteiligung des Nervensystems erfasst“, erläutert Prof. Bösel.

Es gäbe auch Hypothesen, wie das Lungenversagen bei COVID-19-Patienten in manchen Fällen durch eine Störung der Atemregulation im Hirnstamm verursacht sein könnte, beschreibt der Chefarzt. Darüber hinaus sind bei schweren Verläufen der Erkrankung neurologische Komplikationen wie beispielsweise Schlaganfälle, Hirn- und Hirnhautentzündungen oder epileptische Anfälle aufgetreten.

Diese Beobachtungen wollen die Neurologen nun nutzen, um Therapieansätze zu entwickeln bzw. die allgemeine Intensivtherapie optimal anzupassen. Die Erkrankung sei aber noch zu wenig erforscht, um hierzu gesicherte Erkenntnisse zu nennen, beschreibt der erfahrene Neurologe und Intensivmediziner. Ansätze mit Medikamenten, die die Gerinnung oder das Immunsystem beeinflussen, müssten zunächst näher erforscht werden.

„Diese therapeutischen Ansätze würde man dringend benötigen“, sagt Prof. Bösel. Er sei aber zuversichtlich, dass die gerade jetzt besonders aktive und unkomplizierte kollegiale Zusammenarbeit verschiedener medizinscher Fachabteilungen, wie auch weltweite Vernetzung und Austausch dazu führen werden, Neuro-COVID schon bald besser zu verstehen und behandeln zu können.

Und noch etwas anderes liegt dem Chefarzt besonders am Herzen: „Zumeist haben neurologische Auffälligkeiten COVID-unabhängige Ursachen, die mitunter zeitnah behandelt werden müssen, wie z.B. Schlaganfälle. Auch bei aller gebotenen Aufmerksamkeit, die COVID-19 gerade erfährt, darf dies nicht dazu führen, dass Patienten mit solchen Symptomen aus Sorge vor Ansteckung mit dem Coronavirus nicht im Klinikum vorgestellt werden“, sagt Prof.Bösel. 

Um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit dem Coronavirus so gering wie möglich zu halten, hat das Klinikum Kassel ein „Krankenhaus im Krankenhaus“ etabliert, das zwei durchgehend geschützte Patientenpfade bietet. Die Versorgung von Nicht-COVID19 Patienten und denen mit einer COVID-19 Infektion findet von der Aufnahme bis zur Entlassung getrennt statt. Die eigens eingerichtete Notaufnahme für COVID-19 Patienten (CCU) ist an sieben Tagen die Woche durchgehend besetzt und bietet bereits bei Aufnahme die Möglichkeit der sofortigen Trennung von den anderen Patienten. Dazu kommt, dass grundsätzlich alle Patientinnen und Patienten bei der stationären Aufnahme auf eine Infektion mit dem Coronavirus getestet werden. COVID-19 Patienten werden dann auf zwei voll isolierten Stationen mit Schleusenfunktion versorgt. Demnach sind Überschneidungen zu den Stationen mit der Regelversorgung kaum möglich. Prof. Bösel betont daher: „Patienten mit neurologischen Auffälligkeiten, besonders den plötzlichen, gehören in jedem Fall in unsere Notaufnahme!“

Ihre Ansprechpartnerinnen

Ulrike Meyer auf der Heide

Leiterin Unternehmens­kommunikation

Ulrike Meyer auf der Heide

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Inga Eisel

Pressesprecherin

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Dr. Nina McDonagh

Pressesprecherin

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