Depression: Wie sie entsteht und was man dagegen tun kann
Wie groß der Informationsbedarf zu diesem Thema ist, zeigte sich beim GNH-Gesundheitsgespräch am 14. September am Klinikum Kassel: Der Vortrag stieß auf ein enorm großes Publikumsinteresse und war sehr gut besucht.
Die Depression gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen: Statistisch gesehen leiden etwa 15 Prozent aller Deutschen im Laufe ihres Lebens daran. Dabei kann die Ausprägung ganz unterschiedlich sein - von leichten, depressiven Episoden bis zu schweren Verläufen mit Suizidgedanken. Doch welche Faktoren begünstigen die Entstehung einer Depression? Welche Symptome hat die Erkrankung und wie sehen die Therapie-Optionen aus? Darüber informierte Prof. Dr. Martin Ohlmeier, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Ludwig-Noll-Krankenhaus, beim jüngsten GNH-Gesundheitsgespräch am Klinikum Kassel und Chefarzt der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Klinikum Kassel.
Bei der gut besuchten Veranstaltung wurde deutlich: Die Auslöser für eine Depression können vielfältig sein.
Eine genetische Veranlagung spiele laut Ohlmeier ebenso eine mögliche Rolle wie aktuelle psychische Belastungen, zum Beispiel beruflicher Stress oder ein persönlicher Verlust, und traumatische Erfahrungen. Aber auch die Persönlichkeit eines Menschen sei entscheidend. „Ängstliche oder sehr sensible Menschen sind eher gefährdet, an einer Depression zu erkranken."
Auch die Symptome variieren stark. Denn eine Depression sei eben nicht nur eine tiefe Traurigkeit, wie Prof. Dr. Martin Ohlmeier erklärte. Manche Betroffene litten unter subjektiven körperlichen Symptomen wie Schmerzen und Schwächegefühl, andere unter Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Typisch für eine depressive Episode seien eine gedrückte Stimmung, Antriebslosigkeit, Selbstabwertung und Angst. In schweren Verläufen könnten auch Wahn und Verwirrtheit auftreten.
Die positive Botschaft des Experten: Eine Depression ist generell gut behandelbar. Voraussetzung dafür sei jedoch eine gesicherte Diagnose und eine Auseinandersetzung damit, welche individuellen Ursachen es für die Erkrankung gebe: „Was bei dem einen Betroffenen hilft, hat bei einem anderen keinen Effekt."
Der wichtigste Schritt sei in jedem Fall eine psychotherapeutische Basistherapie - bei einer leichten Depression reiche diese meist aus. Im Fall einer mittelschweren Form helfe eine Kombination aus Psychotherapie und Medikamenten (Antidepressiva) oft am schnellsten und nachhaltigsten. „Unerlässlich sind Medikamente bei einer schweren Form der Erkrankung", sagte Ohlmeier. Nur so könne der Leidensdruck gesenkt und überhaupt die Voraussetzung für eine Psychotherapie geschaffen werden.
Eine Sonderform der Erkrankung sei die saisonal abhängige Depression, die vor allem in den Herbst- und Wintermonaten auftritt, erklärte der Mediziner. Hauptursache dafür sei ein Mangel an Tageslicht, der den natürlichen Biorhythmus und Hormonhaushalt störe. „In diesem Fall kann eine Lichttherapie mit speziellen Tageslichtlampen effektiv sein." Auch Sport und Bewegung im Freien seien generell gut, um dem Stimmungstief in der dunklen Jahreszeit vorzubeugen.
Das nächste GNH-Gesundheitsgespräch findet am Montag, 12. Oktober 2026, ab 17:00 Uhr im Klinikum Kassel (Konferenzebene 8) statt. Thema wird dann sein: „Periphere arterielle Verschlusskrankheit - Gehen ist Leben" |