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Gelenkersatz: Endlich wieder in Bewegung

Beim GNH-Gesundheitsgespräch am 10. August 2026 informierten Experten über die Möglichkeiten der Endoprothetik.

Vor mehr als 60 Jahren wurde hierzulande das erste künstliche Hüftgelenk eingesetzt. Heute gehört dieser Eingriff zu den häufigsten in Deutschland: Jedes Jahr erhalten über 400 000 Patient*innen eine so genannte Endoprothese - Gelenkersatz für Hüfte, Knie oder Schulter. Wann ein solcher Eingriff sinnvoll ist, wie die Operation abläuft und wie schnell man im Anschluss buchstäblich wieder auf den Beinen ist, erklärten Mediziner*innen und Therapeut*innen beim jüngsten GNH-Gesundheitsgespräch im Klinikum Kassel.

Die Veranstaltung, die sich an Interessierte, Patient*innen und Angehörige richtete, gab einen spannenden und leicht verständlichen Einblick in das Thema.

„Ziel ist es, ein realistisches Bild zu vermitteln, was eine Prothese erfüllen kann", erklärte Prof. Dr. Clemens Dumont, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie in seinen einleitenden Worten.

Arthrose gilt als die häufigste Ursache für Gelenkbeschwerden: Bei dieser fortschreitenden Erkrankung wird die schützende Knorpelschicht im Gelenk immer dünner, bis die Knochen schließlich aufeinander reiben. Das kann starke Schmerzen verursachen, die die Lebensqualität der Betroffenen immer mehr einschränken.

„Wenn man deshalb nicht mehr am Leben teilhat, ist der richtige Zeitpunkt für einen Gelenkersatz", erklärte Oberarzt Dr. Ulrich Lüke während seines Vortrags über Knie-Endoprothetik. Letztlich sei es nicht der Arzt, der entscheide, sondern das Empfinden der Patient*innen.

Während Oberarzt Dr. Onno Krüsmann über Gelenkersatz in der Schulter informierte, rückte Dr. David Brendel, Leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie, das Thema Hüftendoprothetik in den Mittelpunkt. Er betonte, dass jedes Implantat mit größter Sorgfalt individuell geplant werde.

„Heute stehen uns zum Beispiel eine ganze Reihe unterschiedlicher Größen an Gelenkköpfen zur Verfügung." Auch die Entscheidung, ob die Prothese mit oder ohne Zement implantiert werde, hänge von verschiedenen Faktoren ab.

Geplant werde immer mit dem Ziel, den Menschen ihre Lebensqualität zurückzugeben: „Im Idealfall führen sie mit dem neuen Gelenk ein aktives Leben ohne Einschränkungen." Er kenne sogar Patient*innen, die dank Endoprothetik wieder ihrem Hobby Skifahren nachgingen.

Großes Interesse weckte auch der praxisnahe Einblick in die Rehabilitation nach der Operation, den Nina Albert, Leon Feckler und Friederike Chudy-Fuchs vom Reha-Zentrum der Gesundheit Nordhessen gaben. Die ersten Übungen werden demnach direkt nach dem Eingriff gemacht: „Je früher wir beginnen, Gelenk und Muskulatur wieder zu benutzen, desto besser ist das Ergebnis." In der Regel folgt dann ein stationärer, dreiwöchiger Aufenthalt in einer Reha-Einrichtung. Eine ambulante Reha, bei der die Patient*innen tagsüber für ein individuelles Therapieprogramm ins Reha-Zentrum kommen, sei vor allem eine gute Alternative für Menschen, die noch jünger und relativ fit sind, erklärte Leon Feckler.

Am Klinikum Kassel werden künstliche Hüftgelenke exakt geplant und von erfahrenen Chirurgen implantiert. Schon bald könnte sie ein spezieller Roboter dabei unterstützen, wie Prof. Dr. Clemens Dumont berichtete: Aktuell gebe es Überlegungen, einen Operationsroboter, der von einem Chirurgen gesteuert wird, anzuschaffen. „Gerade im Hinblick auf Präzision gibt es hier klare Vorteile." Dank der gewebeschonenden Technik könne zudem das Risiko von Komplikationen weiter gesenkt werden.

Greifbar wurde das Thema Robotik durch eine Präsentation des Herstellers stryker: Fabian Jürgens erklärte unter anderem anschaulich, wie das innovative System während der Operation Daten in Echtzeit liefert und so den Chirurgen in seinen Entscheidungen unterstützt. 

Das nächste GNH-Gesundheitsgespräch findet am Montag, 14. September 2026, ab 17:00 Uhr im Klinikum Kassel (Konferenzebene 8) statt. Thema wird dann „Depression - wie sie entsteht und was man dagegen tun kann" sein.