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Non Hodgkin-Lymphome

Liebe Patientin, lieber Patient,

die Diagnose eines Non Hodgkin- Lymphoms stellt für Sie als Betroffenen einen massiven Lebenseinschnitt dar. Alles Gewohnte und viele Zukunftspläne werden in Frage gestellt, stattdessen muss man sich mit einer bösartigen Erkrankung auseinandersetzen.

Bei Non Hodgkin- Lymphome handelt es sich um eine Gruppe von bösartigen Erkrankungen des lymphatischen Systems.  Unter dem Begriff Non-Hodgkin-Lymphom werden verschiedene Krebserkrankungen, wie beispielsweise die chronisch- lymphatische Leukämie, das Burkitt- Lymphom oder auch das Multiple Myelom zusammengefasst, die ganz unterschiedlich verlaufen können.

Je nach Wachstumsgeschwindigkeit können sich Lymphome in Form von rasch oder langsam wachsenden Lymphknoten bemerkbar machen. Lymphknoten sind „Filterstationen“ für die Lymphe, also das Gewebswasser des Körpers und gehören zum Abwehrsystem.

Da aber das Lymphsystem im gesamten Körper zu finden ist, können auch ein Knochenmarkbefall mit Blutarmut (Anämie), eine Verminderung der Blutplättchen (Thrombopenie), eine Vergrößerung der Milz,  eine Mandelvergrößerung oder Hautinfiltrate Zeichen eines Non Hodgkin-Lymphoms sein.

In Deutschland erkranken jährlich ca. 9.400 Männern und 7.900 Frauen neu an einem Non Hodgkin Lymphom. Non-Hodgkin-Lymphome können alle Altersgruppen betreffen, die meisten Patienten sind jedoch schon älter. Das mittlere Erkrankungsalter liegt für Männer bei 69 Jahren, für Frauen bei 71 Jahren.

Diese Informationen erheben keinen Anspruch darauf, das Gespräch mit Ihrem behandelnden Arzt zu ersetzen, wir möchten Ihnen erste Informationen vermitteln, sodass Sie gezielte Fragen stellen können. Je besser Sie informiert und aufgeklärt sind, desto besser verstehen Sie, was mit Ihnen geschieht. Umso mehr können Sie aktiv an Ihrer Genesung mitarbeiten. 

Ursachen

In den meisten Fällen ist die Ursache unbekannt. Ein erhöhtes Risiko haben Patienten mit Immunschwäche (wie HIV-Infektionen, nach Organtransplantation, Behandlung mit immunsuppressiven Substanzen), Patienten nach Chemo-, Radiotherapie und Personen, die Pestiziden ausgesetzt waren. Umgekehrt kann auch eine chronische Stimulierung des Immunsystems z.B. durch Bakterien (Helicobacter) zu (Magen) Lymphomen führen. 

Anzeichen und Beschwerden

Wie schnell ein Non-Hodgkin-Lymphom Symptome verursacht, hängt von seiner Bösartigkeit ab:

  • Ein indolentes oder niedrigmalignes (d.h. weniger bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom entwickelt sich eher schleichend,
  • ein aggressives oder hochmalignes (d.h. sehr bösartiges) Non-Hodgkin-Lymphom breitet sich dagegen sehr rasch aus und macht sich deutlich bemerkbar.

Die Frühsymptome von Non Hodgkin- Lymphomen sind meistens unspezifisch. Vermehrtes Schwitzen, unklarer Gewichtsverlust oder Fieber ohne anders erklärbaren Grund können erste Symptome sein. Das häufigste  Zeichen ist eine schmerzlose Lymphknotenschwellung. Sie kann am Hals, in der Achsel, in der Leiste oder an mehreren Stellen gleichzeitig auftreten.

Non Hodgkin- Lymphome können überall im Körper auftreten. Neben dem lymphatischen System wie Lymphknoten, Milz und Knochenmark, können selten auch Lunge, Gehirn, Leber oder Muskulatur befallen sein. Eine Sonderform stellen die Lymphome des Magen- Darm- Traktes (MALT- Lymphome, die Schleimhaut assoziiert sind) dar. 

Untersuchungen

Die Diagnose wird meist aus einer Gewebeuntersuchung (sog. histologische Untersuchung) eines entnommenen Lymphknotens gestellt. Dieser operative Eingriff wird nur zur Diagnosestellung durchgeführt und hat keine Auswirkung auf die Therapie. Die Gewebeuntersuchung ist auch für die Abschätzung der Prognose wichtig. Insgesamt unterscheidet man etwa 30 verschiedene histologische Arten von Lymphknotentumoren. Weitere Untersuchungsmethoden können sein: Knochenmarkpunktion, Ultraschalluntersuchungen, CTs oder auch PET- CTs.

Lymphomklassifikation und Stadieneinteilung- der „Steckbrief“ des Tumors

Die Unterteilung der Lymphome erfolgt nach international gültigen Katalogen, der R.E.A.L.- Klassifikation (Revidierte Europäisch- Amerikanische Lymphom Klassifikation) und ihrer Weiterentwicklung, der W.H.O- Klassifikation (Welt Gesundheits Organisation).

Je nach Ausbreitungsgrad wird nach der sogenannten Ann- Arbor- Stadienklassifikation  in vier Stadien unterschieden. Dabei werden folgende Befunde und Symptome berücksichtigt:

  • Zahl der befallenen Lymphknotenregionen
  • Ausbreitung auf einer oder beiden Seiten des Zwerchfells
  • Herde außerhalb der Lymphknoten (extranodal: Befall von Organen, Haut, Knochenmark, Leber  oder Skelett)
  • Allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Nachtschweiß und/ oder Gewichtsabnahme um mehr als 10% des Körpergewichts innerhalb von 6 Monaten (B- Symptome).

Im Stadium I ist nur eine Lymphknotenregion oder ein Lymphgewebe befallen. 

Bei Stadium II sind zwei Lymphknotenregionen betroffen. Beide liegen auf der gleichen Seite des Zwerchfells.

Im Stadium III sind Lymphknoten auf beiden Seiten des Zwerchfells von der Krankheit befallen.

Im Stadium IV schließlich sind nicht nur Lymphknoten befallen, sondern auch Organe wie Leber, Lunge oder Knochenmark. 

In jedem Stadium wird ferner das Vorhandensein von sogenannten Allgemeinsymptomen bewertet und das Bestehen von Nachtschweiß, Fieber und Gewichtsverlust mit dem Zusatz B zur Stadienbezeichnung charakterisiert, während der Zusatz A das Fehlen von Allgemeinsymptomen zum Ausdruck bringt.

Behandlungsmöglichkeiten

Wir behandeln Sie nach international anerkannten Therapieleitlinien und suchen für Sie, aber auch immer nach den besten und erfolgversprechenden Weg. Die Therapieentscheidung wird dabei immer im Rahmen einer interdisziplinären Tumorkonferenz getroffen. Wöchentlich findet für Patienten mit einem Lymphom eine spezielle Tumorkonferenz statt. In dieser Konferenz wird die Entscheidung über die Behandlung eines Patienten interdisziplinär, zusammen mit allen Fachdisziplinen getroffen. An dieser Konferenz sind immer Onkologen, Hämatologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Nuklearmediziner und je nach Erfordernis auch weitere Spezialisten beteiligt. Die Ergebnisse der Tumorkonferenz besprechen und erläutern wir ausführlich mit unseren Patienten. Wenn die Patientin einverstanden ist, beginnen wir die individuelle Therapie.

Bei der Behandlung von malignen Lymphomen stehen Chemotherapie und Strahlenbehandlung im Vordergrund. Aber auch Immuntherapien und Antikörper können eingesetzt werden. Die Anzahl der Chemotherapiezyklen richtet sich nach der Art und Ausbreitung der Erkrankung, in manchen Fällen wird nach einer Chemotherapie eine Bestrahlung von verbliebenen (Rest) Lymphknoten angeschlossen. 

Durch diese Behandlung kann bei ca. 60% der Patienten eine völlige Rückbildung  erreicht werden. 

Komplementäre Maßnahmen

Einige kurze Worte zu Naturheilverfahren, alternative Methoden usw.: Ergänzend: Ja, Anstelle: Nein! Schulmedizin und Naturheilkunde müssen sich nicht ausschließen. Wir sind aufgeschlossen gegenüber komplementärer Therapien wie z.B. Enzyme und Vitamine –um nur einige zu nennen- wenn Sie diese anwenden wollen. Wichtig ist, dass Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen, nicht zuletzt deswegen, weil im Einzelfall Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten auftreten können. Bedenken Sie aber, dass diese Maßnahmen niemals ein Ersatz für Ihre Krebsbehandlung sein kann. All diese ergänzenden Therapien haben das Ziel, das Wohlbefinden und damit die Lebensqualität zu verbessern. Keine dieser Verfahren können den Anspruch stellen, die Krebserkrankung zu heilen.

Nachsorge

Die Nachsorge ihrer Erkrankung dient der rechtzeitigen Erfassung und Behandlung von Therapiefolgen sowie dem rechtzeitigen Erkennen eines Tumorrezidivs (Rückfalls), der Dokumentation des Behandlungserfolgs und der psychosozialen Betreuung. Dabei ist es besonders wichtig, ein lokales Rezidiv oder einen möglichen Zweittumor zu erkennen, da in diesen Fällen eine erneute Heilungschance besteht. Die Nachsorgeintervalle und die dann durchzuführenden Untersuchungen werden von ihrem behandelnden Arzt mit Ihnen besprochen und abgestimmt. 

So erreichen Sie uns:

Prof. Dr. med. Martin Wolf

Chefarzt

Prof. Dr. med. Martin Wolf

Chefarzt

Klinikdirektor der Onkologie und Hämatologie