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Kasseler KiNT

Kindernotfälle sind selten und der Respekt der Angehörigen des Gesundheitswesens davor ist enorm! Das Kasseler KiNT (Kinder-Notfall-Training) am Klinikum Kassel hat sich diesem Problem gewidmet. Langjährige und erfahrene Fachkräfte der Kinderanästhesie und Kinderintensivmedizin des Klinikums Kassel schulen die Versorgung von Kindernotfällen in modularen, simulationsbasierten Teamtrainings.

Trainings

Die Trainings sind abgestimmt auf den Spezialisierungsgrad, den Einsatzbereich und den Versorgungsauftrag der Geschulten. Sie werden teils als In-Situ-Teamtrainings direkt in der Arbeitsumgebung der teilnehmenden Teams und teils in Schulungsräumen durchgeführt. Die Trainings haben zum Ziel, Techniken, Arbeitsabläufe und Kommunikationsstrukturen einzuüben, die effektive, zielgerichtete und sinnvolle Handlungen in einer Notfallsituation ermöglichen. Mehr zu unseren Modultrainings lesen Sie hier.

 


Informationen und Anmeldung

Für weitere Informationen zum Trainingsangebot und zu den Anmeldemöglichkeiten kontaktieren Sie uns bitte per E-Mail.

kindernotfalltraining(at)gnh.net


Critical Event Debriefing

Darüber hinaus schwebt nach einem Notfall immer die Frage über dem versorgenden Personal: War das, was ich leisten konnte, genug? Das Kasseler KiNT bietet seit November 2023 den Mitarbeitenden des Kasseler Kinderzentrums strukturierte Nachbesprechungen, Critical Event Debriefings, an. Darin werden die einzelnen Schritte der Versorgung analysiert und es entsteht die Gelegenheit, aus dem Erlebten eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln. Auch emotionale Aspekte, die unweigerlich in die Notfallversorgung hineinspielen, erhalten hier ihren Raum. Diese Nachbesprechungen dienen somit der Verhinderung pathologischer Verarbeitungsmuster und im besten Fall der Prävention seelischer Leiden.

Zusätzlich ermöglichen die Critical Event Debriefings dem Klinikum Kassel als Versorger, systemische Ursachen für Probleme zu erkennen und zu eliminieren; als Arbeitgeber, psychische Gefährdungen seiner Angestellten zu registrieren und sie zu schützen; und als Ausbildungsbetrieb, typische Fehler wahrzunehmen und sie im Rahmen von Einarbeitung und Schulungen gezielt zu adressieren.
 

Wer wir sind

Wir sind ein medizinisch-pflegerisches Team aus der Kinderanästhesie und Kinderintensivmedizin des Klinikum Kassel, die langjährig erfahren sind, in der Versorgung von Kindernotfällen. Unsere Schulungen und Debriefings sind bei den Teilnehmenden im Klinikum auf großes Interesse gestoßen. Das Schulungskonzept wird mittlerweile auch von anderen Krankenhäusern angefragt und gebucht. Einige der Instruktor*innen führen zudem Trainings in Schulen und Gemeindeeinrichtungen durch.

„Sowohl die simulationsbasierten Trainings als auch die Critical Event Debriefings bilden somit einen wichtigen Baustein für die medizinische Versorgungssicherheit von Kindern in der Region Kassel“, sagt Dr. Thomas Fischer, Chefarzt der Kinderanästhesie und Intensivmedizin und Medizinischer Geschäftsführer des Klinikum Kassel.

 

Modultraining

Was ist das Modultraining des Kasseler KiNT?

Die Versorgung von Kindernotfällen unterscheidet sich grundlegend von der Versorgung erwachsener Patient*innen. Im Kinderbereich werden Patient*innen vom Säugling mit einem Körpergewicht von 4 kg bis hin zum jungen Erwachsenen betreut.

Dementsprechend stehen die Versorgenden vor besonderen Herausforderungen: Die Kompatibilität des eingesetzten Materials in Bezug auf die Größe der Kinder, gewichtsabhängige Medikamentendosierungen sowie altersabhängige Erkrankungen, Krankheitsverläufe und, bei Unfällen, Verletzungsmuster sind typisches Wissen, das ein Versorgender im Kinderbereich abrufen können muss.

Jedoch muss nicht jede*r Mitarbeitende im Klinikum vollumfänglich in der Notfallversorgung geschult sein. Daher hat das Kasseler KiNT verschiedene Versorgungsbereiche mit unterschiedlichem Notfallaufkommen definiert: Bereiche mit hohem Notfallaufkommen (Kinderintensivstation, Kinder-ZNA, Kinderanästhesie/ZOP2), Bereiche mit mittlerem Notfallaufkommen (IMC-Bereich der neuropädiatrischen Frührehabilitation und pädiatrischen Onkologie) und Bereiche mit niedrigem Notfallaufkommen.

Kasseler KiNT hat entsprechende Trainingsmodule entwickelt, die auf die jeweilige Notfallkompetenz der Versorgenden abgestimmt sind und sie befähigen, kritische Krankheitszustände zu erkennen und die nötigen Maßnahmen einzuleiten. Alle Trainings sind dabei auf die Empfehlungen und Leitlinien der maßgeblichen Fachgesellschaften abgestimmt. Zur Vorbereitung der Trainings wird den Teilnehmenden ein Handbuch im PDF-Format zur Verfügung gestellt.

Inhalte des Basismoduls 1 sind: 

  • das Erkennen des kritisch kranken Kindes
  • Grundlagen der Notfallintervention (Airway-Workshop 1, Kreislauf-Workshop 1, Anaphylaxie)
  • lebensrettende Basismaßnahmen (PBLS) und praxisnahe Übungen in der Simulation.

Im Kreislaufmodul lernen die Teilnehmenden:

  • die Grundlagen kindlicher Arrhythmien
  • Algorithmen der Notfall-EKG-Analyse
  • das Erkennen defibrillierbarer Rhythmen sowie praktische Kenntnisse in der Durchführung einer Kardioversion/Defibrillation. 

Es werden die Techniken der erweiterten lebensrettenden Maßnahmen für Fortgeschrittene (PALS) besprochen und geübt.

Die Teilnehmenden lernen die Utensilien kennen, die im Rahmen des Airway-Managements in Notfallsituationen oder beim erwarteten schwierigen Atemweg des Kindes zum Einsatz kommen. Sie erwerben Kenntnisse zu den Indikationen der einzelnen Utensilien, der Auswahl der richtigen Größe und der Technik des Einsatzes. Die praktische Umsetzung wird anschließend in der Simulation geübt.

 

Critical Event Debriefing

Was ist Critical Event Debriefing?

„Aus der Perspektive der Patientensicherheit ist besonders schwerwiegend, dass durch die Traumatisierung von Personal des Gesundheitswesens auch weitere Patient*innen geschädigt werden können. Second Victims brauchen Hilfe, um das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, die Berufszufriedenheit bis hin zur eigenen Lebensqualität zu erhalten.“, so Experte für Patientensicherheit Prof. Dr. med. habil. Dipl.-Kfm. Reinhard Strametz in “Mitarbeitersicherheit ist Patientensicherheit” (ISBN 978-3-17-039972-3, Kohlhammer Verlag, 2021).

Im Krankenhausbetrieb kommt es regelmäßig und unvermeidlich zu kritischen Situationen in der medizinischen Versorgung. Patient*innen können aus solchen Situationen mit bleibenden Schäden hervorgehen, doch auch die Behandelnden sind nicht selten betroffen. Dieses Phänomen wird mit dem Fachbegriff „Second Victim“ (zweites Opfer) beschrieben.

Darüber hinaus müssen Schwierigkeiten in der Versorgung kritischer Situationen analysiert werden, da Probleme sowohl systemische Ursachen haben, als auch auf den individuellen Ausbildungsstand der Versorgenden oder fehlerhafte technische Ausrüstung zurückzuführen sein können. In jedem dieser Fälle ist es für das Klinikum Kassel entscheidend, diese Schwierigkeiten und Herausforderungen in der Patientenversorgung zu identifizieren und Strategien zur Problembeseitigung zu entwickeln. Dies entspricht dem Prinzip eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses und einer gelebten Kultur der Patientensicherheit.

Das Kasseler KiNT hat daher das Critical Event Debriefing ins Leben gerufen, bei dem in einer strukturierten Nachbesprechung die Versorgung analysiert, emotionale Schwierigkeiten thematisiert und Problemlösungsstrategien gemeinsam mit den Betroffenen für die Zukunft entwickelt werden.

Gleichzeitig wird eine Liste mit systemischen und technischen Ursachen für Probleme erstellt, die den Verantwortlichen zur Verfügung gestellt wird, damit auch hier konkrete Maßnahmen ergriffen werden können.
 

Wozu ein Critical Event Debriefing durchführen?

  • Es verbessert die Versorgungsqualität für die Patient*innen und derenSicherheit, indem es die Teamarbeit verbessert.
  • Es ist hilfreich für die Verarbeitung von kritischen und belastenden Situationen und leistet somit einen Beitrag zur Mitarbeitergesundheit.
  • Durch gemeinsame Reflexion wird Lernen im Team fokussiert ermöglicht, dies führt zu einer Quervernetzung innerhalb des Versorgungszentrums und erhöht die Effektivität des Teams.
  • Es gibt Hinweise auf Schwachstellen der Patientenversorgung und ermöglicht gezielte und zukunftsorientierte Lösungen.
  • Aus erfolgreichen Versorgungen können Erfolgsfaktoren abgeleitet und zentrale Elemente einer hochwertigen Patientenversorgung identifiziert werden.
  • Die Teams entwickeln eine höhere Motivation proaktiv zur Lösung zukünftiger Probleme beizutragen.
     

Simulationsbasierte In-Situ-Teamtrainings

In den simulationsbasierten Modultrainings des Kasseler KiNT erlernen die Teilnehmenden Algorithmen, erwerben technische Fertigkeiten und üben spezifische Arbeitsabläufe ein. Diese Trainings können in einer künstlichen Lernumgebung (z. B. Übungsräumen) stattfinden und bieten eine solide Grundlage für die Versorgung von Notfällen.

Spezialistenteams, die regelmäßig Notfallversorgungen durchführen, benötigen jedoch Trainings in ihrer eigenen Arbeitsumgebung und in der natürlichen Teamzusammensetzung, in der sie auch im Ernstfall arbeiten würden. Ein wesentliches Element simulationsbasierter Teamtrainings ist die Zusammenarbeit verschiedener Professionen und Spezialisierungsgrade, um Schnittstellenprobleme und Hierarchien zwischen Fachdisziplinen und Berufsgruppen aufzuzeigen und deren Bewältigung praktisch zu üben. Daher ist es entscheidend, dass die Zusammensetzung der Teilnehmenden realitätsnah ist.

Diese Trainings vermitteln zusätzlich eine tiefe Kenntnis der Arbeitsumgebung und helfen dabei, Probleme zu identifizieren, bevor sie in der Patientenversorgung auftreten. Ein weiterer Fokus simulationsbasierter Teamtrainings liegt auf „nicht-technischen“, kommunikativen Aspekten. Dabei werden wesentliche Elemente des sogenannten Crisis Resource Managements vermittelt, wie zum Beispiel Führungsverhalten, Ressourcennutzung, Situational Awareness und effektive Kommunikation.

Durch diese Trainings kann die innerklinische Infrastruktur der Notfallversorgung professionalisiert und verbessert werden, ohne dass die dafür nötige Erfahrung in der tatsächlichen Patientenversorgung gesammelt wird.