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Neurologische Notfallmedizin in der Zentralen Notaufnahme

Neurologische Assistenz- und Oberärztinnen und -ärzte sind fester Bestandteil des Teams der Zentralen Notaufnahme, denn von den 75.000 jährlich dort gesehenen Patientinnen und Patienten weisen ein Fünftel neurologische Symptome auf.

Die zugrunde liegenden Erkrankungen können sehr vielfältig sein und z.B. gefäßbedingte, infektiologische, entzündliche, toxisch-metabolische oder epileptische Prozesse umfassen. Ganz besonders wichtig ist es, gefährliche und zeitkritische Erkrankungen zu erkennen und eine unverzügliche Therapie einzuleiten, weil sonst unumkehrbare Schäden am Nervensystem und damit schwere Behinderung oder gar Tod drohen. Alarmierende Zustände, die auf solche gefährlichen Erkrankungen hinweisen können und schnellstens die Vorstellung beim Neurologen in der Notaufnahme erfordern, sind diese:

  • Starke, neuartige und v.a. plötzliche Kopfschmerzen
  • Kopf- und Nackenschmerz bei Fieber
  • Starke, neuartige Rückenschmerzen mit neurologischem Defizit
  • Plötzliche oder rasch zunehmende neurologische Ausfälle
  • Bewusstseinsstörung
  • Rasch zunehmende Wesensänderung

Entsprechend sind ärztliches und pflegerisches Personal auf diese Situationen fokussiert und sorgen für eine optimale Versorgung. Kritisch erkrankte neurologische Patientinnen und Patienten werden in unseren Schockräumen gesehen, die umfassende Möglichkeiten zur Stabilisierung bieten. Von dort sind die Wege kurz in die Neuroradiologie, in den neurochirurgischen OP, auf die Stroke Unit, die TIA-Unit, die Neuro-Intensivstation oder unsere neurologische Akut-Normalstation.

Behandlungsspektrum – Neurologische Notfälle

Das Spektrum umfasst akut neu auftretende, bisher unbekannte Erkrankungen oder akute Verschlechterungen bzw. Aktivierungen bekannter Krankheiten des peripheren (Nerven, Nervenwurzeln, Übergang Nerv-Muskel, Muskeln) und zentralen (Gehirn und Rückenmark) Nervensystems. Einige wenige der besonders gefährlichen neurologischen Notfälle sollen hier nur aufgelistet werden: 

  • Akuter Schlaganfall (Hirninfarkt oder Hirnblutung) 
  • Akute Querschnittslähmung (durch Rückenmarks-Prozess)
  • Hirnhautentzündung (Meningitis)
  • Hirnentzündung (Enzephalitis)
  • Serie oder Dauerzustand epileptischer Anfälle (Status epilepticus)
  • Diffuse Hirnfunktionsstörungen (Enzephalopathien)

Diagnostik – Gefährliche Ursachen früh genug erkennen

Am wichtigsten sind zunächst die gründliche Informationsaufnahme und die ausführliche körperliche Untersuchung durch die Neurologin oder den Neurologen. Hieraus ergibt sich meist schon der entscheidende Verdacht. Zur Bestätigung genügen dann oft Labordiagnostik, Computertomografie (mit Kontrastmittel) und ggf. eine Lumbalpunktion zur Nervenwasserunterschung. Nur selten ist es nötig, auf Ebene der Notaufnahme eine erweiterte Diagnostik aus Doppler/Duplex-Gefäß-Ultraschall, Kernspintomografie, oder EEG durchzuführen. Falls geboten, stehen all diese Verfahren aber jederzeit zur Verfügung. 

Therapie – Sofortige oder zeitnahe Behandlung akuter Notfälle

Nachdem die Diagnose gestellt, die Ursachen geklärt oder zumindest eingegrenzt worden sind, wird oft schon in der Notaufnahme eine Therapie begonnen. So werden z.B. epileptische Anfälle mit Medikamenten unterbunden, Infektionen des Gehirns oder der Hirnhäute mit Antibiotika behandelt oder Schlaganfälle durch Gefäßeröffnungen mittels gerinnselauflösendem Medikament oder Katheter behandelt. In manchen kritischen Fällen ist es v.a. geboten, die Patientinnen und Patienten schnell auf die Stroke Unit oder Neuro-Intensivstation zu verlegen.

Wir kümmern uns darum, wie es für Sie weitergeht

Sehen Sie es uns nach, dass der erhebliche Andrang in der Zentralen Notaufnahme mitunter Priorisierungen und Wartezeiten notwendig macht. Die meisten Patientinnen und Patienten mit echten neurologischen Notfällen werden auf die passendste unserer Stationen verlegt und dort optimal weiterbehandelt. Erkennen wir eine Ursache auf anderem Fachbereich, werden die Patientinnen und Patienten noch in der Notaufnahme von diesen Kolleginnen und Kollegen übernommen. Können die Patientinnen und Patienten abschließend in der Notaufnahme behandelt und entlassen bzw. verlegt werden, erhalten sie zu einem kurzen Abschlussgespräch einen prägnanten Entlassbericht mit unseren Einschätzungen und Empfehlungen.

Prof. Dr. med. Julian Bösel

Chefarzt

Prof. Dr. med. Julian Bösel

Chefarzt

Facharzt für Neurologie, Weiterbildungsberechtigung Neurologie & Neurologische Intensivmedizin, Ausbildungsberechtigung EEG, EMG, EP, Fachkunde Neurologische Labormedizin & Liquordiagnistik, DGNK-Scheine EEG, EMG, EP