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Normalstation für akute Notaufnahmen

Eine unserer Normalstationen ist vorgesehen für Patientinnen und Patienten mit akuten neurologischen Defiziten, die uns meist über die Zentrale Notaufnahme erreichen und zeitnah weiter abgeklärt behandelt werden müssen. Die zugrunde liegenden Erkrankungen können vielfältig sein und z.B. infektiologische, entzündliche oder toxisch-metabolische Prozesse umfassen. Entsprechend sind ärztliches und pflegerisches Personal auf diese neurologischen Akuterkrankungen fokussiert und sorgen für eine optimale Versorgung.

Auch die Beobachtung übers Wochenende kann ein Grund für die Aufnahme sein. Bei Komplikationen kann eine rasche Verlegung auf unsere Überwachungsstation oder Intensivstation erfolgen. Patientinnen und Patienten mit Gefäßerkrankungen (Schlaganfall) werden in anderen Bereichen der Neurologischen Klinik behandelt.

Behandlungsspektrum – Die komplette Neurologie

Das Spektrum der Erkrankungen, die auf unserer Akutstation behandelt werden, umfasst prinzipiell die komplette Neurologie. Es kann sich dabei um akut neu auftretende, bisher unbekannte Erkrankungen handeln oder akute Verschlechterungen bzw. Episoden von Aktivierung bekannter Krankheiten des peripheren (Nerven, Nervenwurzeln, Übergang Nerv-Muskel, Muskeln) und zentralen (Gehirn und Rückenmark) Nervensystems. Einige der häufigeren dieser Erkrankungen sollen im Folgenden beschrieben werden:

  • Akuter Schub einer Multiplen Sklerose (MS): Diese häufigste der chronisch-entzündlichen Erkrankungen des zentralen Nervensystems ist gekennzeichnet durch eine mitunter recht diffuse Verteilung von „Entmarkungsherden“ in Gehirn und Rückenmark, die zu verschiedenen Zeitpunkten auftreten bzw. aktiv sind. Die MS macht sich durch mannigfaltige Ausfallerscheinungen wie Sehstörungen, Lähmungen, Gefühlsstörungen oder Koordinationsstörungen bemerkbar und verläuft oft in Schüben. Solche Schübe werden auf unserer Akutstation unter kontrollierten Bedingungen mittels intravenöser Infusion hochdosierten Kortisons behandelt. Bei schweren Verläufen sind teilweise stärkere Therapieformen (z.B. höhere Dosen Kortison, Immunglobuline, Antikörper, Blutaustauschverfahren) nötig, die wir sämtlich vorhalten.
  • Infektionen des Nervensystems (Meningitis oder Enzephalitis): Zahlreiche Bakterien, Viren oder Parasiten können die Hirnhäute (Meningitis) oder das Hirngewebe selbst (Enzephalitis) befallen und über Stunden bis Tage zu Beschwerden führen. Die Meningitis zeigt sich neben Fieber durch Kopf- und insbesondere Nackenschmerzen, evtl. auch durch Hirnnervenausfälle (z.B. Gesichtslähmung) oder Bewusstseinsstörung. Bei der Enzephalitis stehen neurologische Ausfälle (z.B. Sprachstörungen), epileptische Anfälle oder Wesensänderungen im Vordergrund. Eine rasche Diagnostik mittels Erregeranalyse des Nervenwassers nach Lumbalpunktion und Bildgebung, gepaart mit einer antiinfektiven Therapie sind das optimale Standardvorgehen auf unserer Station. Ein Beispiel für eine häufige Infektion ist die Neuroborreliose, bei der Bakterien von Zecken übertragen werden, die vielfältige Symptome verursachen kann und die ausschließlich per Nervenwasseranalyse bewiesen werden kann. Nicht nur die gezielte Therapie bei Nachweis, sondern auch der eindeutige Ausschluss der Erkrankung sind wichtige Beiträge auf unserer Akutstation.
  • Erster epileptischer Anfall: Bei einer Fehlsteuerung von elektrischen Impulsen im Gehirn, vereinfacht gesagt einem „übermäßig synchronen Feuern“ kommt es zu epileptischen Anfällen (mitunter sog. „Krampfanfällen“). Erstmalig auftretende epileptische Anfällen können durch sehr verschieden Auslöser akut symptomatisch verursacht (Hirnläsion, Elektrolytentgleisung, Infektionen, etc.) oder unprovoziert sein. Auf unserer Station wird ein diagnostisches Standardprogramm aus Bildgebung, EEG, ggf. Schlafentzugs-EEG, ggf. Nervenwasseranalyse und Labordiagnostik durchgeführt, das sowohl die Einteilung in eine der beiden Gruppen zulässt als auch die Einschätzung, wie hoch das Risiko des Wiederauftretens von Anfällen ist. Letzteres ist dafür entscheidend, ob die Patientinnen und Patienten mit antiepileptischen Medikamenten behandelt werden sollten – oft eine erhebliche Weichenstellung in ihrem Leben.
  • Enzephalopathien: Viele Stoffwechselstörungen, Organfunktionsstörungen, Einflüsse von Medikamenten oder Toxinen etc. können diffuse Funktionstörungen des Gehirns hervorrufen, die Enzephalopathien. Sie können sich durch Kopfschmerzen, Wesensänderungen, Bewusstseinstörungen und neurologische Ausfälle bemerkbar machen und verdienen eine rasche Entschlüsselung auf unserer Akutstation.
  • Unklare neurologische Ausfälle: Zahlreiche neurologische Auffälligkeiten (z.B. Lähmungen, halbseitige Gefühlsstörungen, Gangstörungen, Doppeltsehen oder Gesichtsfelddefekte) entwickeln sich rasch über Stunden oder Tage, ohne dass die Ursache gleich ersichtlich und in der Notaufnahme klärbar ist. Nach Ausschluss der gefährlichen Ursachen werden diese Patientinnen und Patienten zu einer erweiterten Abklärung und Behandlung auf unsere Akutstation aufgenommen. Teilweise werden dabei auch organische Erkrankungen ausgeschlossen und funktionelle Störungen gefunden, die psychosomatisch zu therapieren sind, was gebahnt und vermittelt werden kann.

Diagnostik – Ursachen finden oder ausschließen

Die Diagnostik richtet sich nach den klinischen Beschwerden, die zu einem bestimmten Krankheitsverdacht geführt haben. Prinzipiell kann von unserer Normalstation aus rasch das gesamte Spektrum der neuroradiologischen Bildgebung und der neurologischen Funktionsdiagnostik zur Anwendung kommen. 

Therapie – Zeitnahe Behandlung akuter Störungen

Nachdem die Diagnose gestellt, die Ursachen geklärt oder zumindest eingegrenzt worden sind, wird in den meisten Fällen auf der Akutstation eine Therapie begonnen. In manchen Fällen ist es sogar geboten, die denkbar beste Therapie unter einem hochgradigen Verdacht zu beginnen, um keine zunehmenden Nervenschäden zu riskieren. Bei Bestätigung durch die parallel durchgeführte Diagnostik wird die Therapie fortgeführt oder fokussiert, andernfalls auch abgebrochen oder umgestellt. 

Wir kümmern uns darum, wie es für Sie weitergeht

Ein ausführliches Entlassungsgespräch, ein vorläufiger Arztbericht mit den wesentlichen Befunden und die Planung des Weiteren Procederes gehören am Ende des Stationsaufenthalts zu den Selbstverständlichkeiten. In manchen Fällen werden wir eine Wiederaufnahme zu Kontrollbeurteilungen oder eine ambulante Vorstellung in unseren Ambulanzen zur Befundbesprechung oder Therapieplanung vorsehen. In anderen Fällen kann auch die Verlegung in eine Rehablititationseinrichtung geboten sein.

Prof. Dr. med. Julian Bösel

Chefarzt

Prof. Dr. med. Julian Bösel

Chefarzt

Facharzt für Neurologie, Weiterbildungsberechtigung Neurologie & Neurologische Intensivmedizin, Ausbildungsberechtigung EEG, EMG, EP, Fachkunde Neurologische Labormedizin & Liquordiagnistik, DGNK-Scheine EEG, EMG, EP