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Wegweiser zu Sozialleistungen

Schwerbehinderung

Krebs ist ein tiefergreifender Einschnitt ins Leben. Zu den Leiden und Sorgen der an Krebs erkrankten Menschen und ihres Umfeldes gesellt sich hĂ€ufig die Angst vor den wirtschaftlichen Konsequenzen. Denn wer an Krebs leidet, kann auch seiner beruflichen TĂ€tigkeit hĂ€ufig nicht mehr im gewohnten Rahmen nachgehen. Krebs und dessen Behandlung kann zu vorĂŒbergehenden oder dauerhaften Behinderungen fĂŒhren.

An Krebs erkrankte Personen haben das Anrecht auf verschiedene Geld- und Sachleistungen von Krankenkassen, Pflegeversicherungen, Rentenversicherungen oder anderen Institutionen. Sie haben die Möglichkeit, beim Versorgungsamt einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen

Dieser Schwerbehindertenausweis soll Menschen mit Krebs einen Ausgleich fĂŒr krankheitsbedingt Nachteile bringen.

Art und Umfang der Leistungen hĂ€ngen vom Grad der Behinderung (GdB) oder dem Grad der SchĂ€digungsfolgen (GdS) ab, der vom Versorgungsamt festgelegt wird. Beide Begriffe beziehen sich auf die Auswirkungen von FunktionsbeeintrĂ€chtigungen in allen Lebensbereichen. Sowohl der Grad der Behinderung als auch der Grad der SchĂ€digungsfolgen sind ein eigentliches Maß fĂŒr die physischen, psychischen und sozialen BeeintrĂ€chtigungen aufgrund der Krebserkrankung. 

Der GdB kann - ebenso wie der GdS - zwischen 20 und 100 variieren. Eine Behinderung ab einem GdB von 50 gilt als Schwerbehinderung. In diesem Fall wird ein Schwerbehindertenausweis ausgestellt. Der Ausweis gilt in der Regel fĂŒr 5 Jahre. Danach wird die Situation neu geprĂŒft. Die GĂŒltigkeitsdauer kann auf Antrag höchstens zweimal verlĂ€ngert werden. Dann muss man den Ausweis erneut beantragen. 

Das Versorgungsamt richtet sich bei der Festsetzung nach den "Versorgungsmedizinischen GrundsĂ€tzen". FĂŒr die Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises wird der gesamtheitliche Grad der Behinderung ermittelt, der durch die Erkrankung an Krebs entsteht. Entscheidend fĂŒr den Gesamt-GdB ist, wie sich einzelne FunktionsbeeintrĂ€chtigungen zueinander und untereinander auswirken. Die durch Krebs entstehenden Behinderungen und ihre Auswirkungen werden also nicht als voneinander isolierte BeeintrĂ€chtigungen behandelt. Bei der Beurteilung wird vom höchsten einzelnen Grad der Behinderung ausgegangen. Eventuelle weitere FunktionsbeeintrĂ€chtigungen werden geprĂŒft, ob sie das Ausmaß der Behinderung erhöhen. 

Der Schwerbehindertenausweis bringt Menschen, die an Krebs erkrankt sind, in dieser schweren Zeit verschiedene Vorteile bzw. eben sogenannte Nachteilsausgleiche. Dazu gehören: 

  • Erhöhter KĂŒndigungsschutz am Arbeitsplatz 
  • Begleitende Hilfe im Arbeitsleben 
  • Freistellung von Mehrarbeit 
  • Eventuell frĂŒhzeitiger Übertritt in die Rente 
  • 5 zusĂ€tzliche Urlaubstage pro Kalenderjahr 
  • Hilfe zur Erhaltung beziehungsweise Erlangung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes 
  • Steuerliche VergĂŒnstigungen
  • VergĂŒnstigungen bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel, BĂ€der, Museen und anderen öffentlichen Einrichtungen 
  • BeitragsermĂ€ĂŸigung bei Automobilclubs 
  • je nach GdB oder GdS FreibetrĂ€ge beim Wohngeld

Der Antrag auf Ausstellung eines Schwerbehindertenausweises sollte möglichst bald nach der Krebs-Diagnose erfolgen, denn die Bearbeitungsdauer kann einige Monate dauern. Folgende Punkte sind zu beachten:

  • Die Krankheit und die daraus folgenden Behinderungen oder SchĂ€digungen möglichst genau beschreiben
  • Alle Ärzte und Kliniken auffĂŒhren, die in Ihrem Verlauf beteiligt waren
  • Die Ärzte von der Schweigepflicht entbinden, damit sie gegenĂŒber dem Versorgungsamt Auskunft erteilen können
  • Absprache mit dem Arzt. Dieser sollte im Befund die Auswirkungen der Krebs-Erkrankung und deren Behandlung detailliert auffĂŒhren

Aufgrund aller zur VerfĂŒgung stehenden Unterlagen und Informationen erstellt das Versorgungsamt den so genannten Feststellungsbescheid, in dem der Grad der Behinderung oder der Grad der SchĂ€digung festgelegt wird. Wer mit dem Entscheid nicht einverstanden ist, kann innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen. 

Rehabilitation

Rehabilitationsmaßnahmen sollen einem Kranken dabei helfen, so weit wie möglich wieder in den Alltag zurĂŒckzukehren. Welche Rehabilitationsmöglichkeiten gibt es fĂŒr Krebskranke? Wie werden diese beantragt? Wie gelangt man als Patient in die Rehabilitation? 

Bei der Rehabilitation geht es darum, die körperlichen und seelischen Folgen der Erkrankung zu lindern beziehungsweise zu beseitigen, einer Verschlimmerung vorzubeugen oder auch mit den Folgen einer chronischen Erkrankung leben zu lernen.

Rehabilitationsleistungen sind in Deutschland Aufgabe der verschiedenen SozialversicherungstrĂ€ger, das heißt insbesondere der gesetzlichen Kranken-, Renten- und Unfallversicherung. Die Rehabilitation gehört ebenso zur Behandlung einer Krankheit wie die Therapie durch den niedergelassenen Arzt und die Behandlung im Krankenhaus. Wird eine Rehabilitationsmaßnahme zur Wiederherstellung der Gesundheit durchgefĂŒhrt, ist meist die Krankenkasse der KostentrĂ€ger. Der RentenversicherungstrĂ€ger wiederum finanziert die Rehabilitation zur Wiederherstellung oder zum Erhalt der ErwerbsfĂ€higkeit. Versicherte haben einen Anspruch auf alle medizinisch notwendigen Reha-Maßnahmen. Es gilt der Grundsatz: „Rehabilitation vor Pflege“ bzw. bei der Rentenversicherung „Rehabilitation vor Rente“. 

RehabilitationsbedĂŒrftigkeit besteht entsprechend §8 der geltenden Rehabilitations-Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses, wenn aufgrund einer körperlichen, geistigen oder seelischen SchĂ€digung

  • voraussichtlich nicht nur vorĂŒbergehende alltagsrelevante BeeintrĂ€chtigungen der AktivitĂ€t vorliegen, durch die in absehbarer Zeit eine BeeintrĂ€chtigung der Teilhabe droht oder
  • BeeintrĂ€chtigungen der Teilhabe bereits bestehen und
  • ĂŒber die kurative Versorgung hinaus der mehrdimensionale und interdisziplinĂ€re Ansatz der medizinischen Rehabilitation erforderlich ist.

Anschlussrehabilitation (AR) / Anschlussheilbehandlung (AHB)

An den Krankenhausaufenthalt oder eine ambulante Operation kann sich direkt oder spĂ€testens zwei Wochen nach der Entlassung eine Anschlussrehabilitation (AR) / Anschlussheilbehandlung (AHB) anschließen. DafĂŒr gibt es spezielle Nachsorgekliniken, die sowohl mit den körperlichen als auch mit den psychischen Problemen von Krebs-Patienten vertraut sind. Die Anschlussrehabilitation kann stationĂ€r oder ganztĂ€gig ambulant durchgefĂŒhrt werden. Wichtig: Der Antrag fĂŒr die Anschlussheilbehandlung muss bereits im Krankenhaus gestellt werden. Sprechen Sie den Sozialdienst der Klinik darauf an – er wird Ihnen helfen. Schließt sich an den Krankenhausaufenthalt eine ambulante Behandlung, etwa eine Bestrahlung oder Chemotherapie, an, leitet der derzeit behandelnde Arzt die Anschlussheilbehandlung ein, also etwa ein niedergelassener Onkologe oder Radioonkologe. Dann muss die AHB in der Regel spĂ€testens 14 Tage nach dem letzten Behandlungstermin beginnen. 

Onkologische Rehabilitation

Ist Ihre Erstbehandlung beendet, sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder behandelnden Arzt darĂŒber, ob eine onkologische Rehabilitation fĂŒr Sie sinnvoll ist. Diese Kuren sollen Sie körperlich und seelisch festigen, Ihr Allgemeinbefinden verbessern und Ihnen dabei helfen, in Ihr alltĂ€gliches Leben zurĂŒckzufinden und Ihren Beruf wieder ausĂŒben zu können. Rehabilitationsmaßnahmen können stationĂ€r oder ambulant durchgefĂŒhrt werden. Die Kosten ĂŒbernehmen die Rentenversicherer, Krankenkassen oder das Sozialamt. Sie können im ersten Jahr nach Ende der PrimĂ€rbehandlung eine solche Rehabilitationsmaßnahme genehmigen. Diese dauert in der Regel drei Wochen, kann aber aus medizinischen GrĂŒnden verlĂ€ngert werden. Der KostentrĂ€ger ĂŒberprĂŒft, ob eine Rehabilitation medizinisch notwendig ist. 

Der Weg der Antragsstellung richtet sich nach Versorgungsart, Stand der Berufs- und ErwerbstÀtigkeit und dem deshalb zustÀndigen KostentrÀger:

Die onkologischen Nachsorgeleistungen kann der Arzt beantragen oder auch der Betroffene selbst. Auf jeden Fall mĂŒssen Sie den Antrag selbst unterschreiben. Weitere AuskĂŒnfte erhalten Sie bei den Gemeinsamen Service-Stellen fĂŒr Rehabilitation, die alle Reha-TrĂ€ger gemeinsam unterhalten (www.reha-servicestellen.de), bei den wohnortnahen Beratungsstellen der RentenversicherungstrĂ€ger, den Krankenkassen sowie den örtlichen Stadtverwaltungen oder Gemeindeverwaltungen. 
Sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen die fĂŒr Sie besten Empfehlungen geben. Das Antragspaket und alle wichtigen Formulare können Sie im Internet bei der Deutschen Rentenversicherung herunterladen (Link: s.u.).

Antrag auf Rehabilitation aus dem ambulanten Bereich:

A KostentrĂ€ger Gesetzliche Krankenversicherung. Arzt: Formulare 60 und 61, Patient: benötigt kein Formular 
B KostentrĂ€ger Deutsche Rentenversicherung. Arzt: Formular G 1204, Patient: Formulare G100 und G110 
Antrag auf Rehabilitation aus dem stationĂ€ren Bereich: 
A KostentrĂ€ger Gesetzliche Krankenversicherung. Arzt: Formloser Antrag auf Rehabilitations-BedĂŒrftigkeit, ggf. Formular 61, Patient: benötigt kein Formular 
B KostentrĂ€ger Deutsche Rentenversicherung Bund (ehemals BfA). Arzt: formloser Antrag auf Rehabilitations-BedĂŒrftigkeit, Patient: Formulare G100 und G110 
C KostentrĂ€ger Deutsche Rentenversicherung regional (ehemals LVAÂŽs). Arzt: Bericht der Rehabilitations-BedĂŒrftigkeit & Form. AHB 1001, Patient: Formular AHB 1000 
D KostentrĂ€ger Knappschaft Bahn-See. Arzt: Bericht der Rehabilitations-BedĂŒrftigkeit & Formular 82109, Patient: Formular AHB von Patient & Arzt auszufĂŒllen (Formular 82109) 
Antragspaket hier.

Berufliche Wiedereingliederung

FĂŒr viele Betroffene ist es wichtig, möglichst bald wieder berufstĂ€tig sein zu können. Die „Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben“ sollen den Betroffenen wieder vollstĂ€ndig in Arbeit, Beruf und Gesellschaft eingliedern. 
Zusammen mit den Rehabilitationsberatern, Psychologen der Agentur fĂŒr Arbeit und / oder des RentenversicherungstrĂ€gers können Maßnahmen zur beruflichen Rehabilitation eingeleitet werden. Dabei bedeutet „Teilhabe am Arbeitsleben“ oder „berufliche Rehabilitation“ nicht nur das Erlernen eines neuen Berufes. Auch berufliche Aus- und Weiterbildung können dazu beitragen, den Arbeitsplatz zu sichern. Außerdem können dem Arbeitgeber zusĂ€tzliche Kosten erstattet werden, die durch die BeschĂ€ftigung eines Krebskranken entstehen können: fĂŒr technische Arbeitshilfen, fĂŒr die Einrichtung eines behindertengerechten Arbeitsplatzes, fĂŒr EinarbeitungszuschĂŒsse oder interne Eingliederungshilfen. 
Beratung erhalten Sie bei der HauptfĂŒrsorgestelle, dem Arbeitsamt oder dem RentenversicherungstrĂ€ger. GrundsĂ€tzlich gilt: „Rehabilitation vor Rente“. Das bedeutet: Wenn Sie dem beruflichen Alltag noch nicht wieder voll gewachsen sind, können Sie Ihre TĂ€tigkeit vielleicht schrittweise wieder aufnehmen. Ihre Krankenkasse oder Rentenversicherung beraten Sie gern. Oder: Falls Sie aufgrund Ihrer Krebserkrankung in Ihrem bisherigen Beruf nicht mehr arbeiten können und als schwerbehindert anerkannt sind, können Sie möglicherweise umgeschult werden. Im Arbeitsamt wird gemeinsam mit Ihnen ĂŒberlegt, welche Maßnahmen fĂŒr Sie am besten geeignet sind. Dabei werden Ihr Gesundheitszustand, Ihre beruflichen Erfahrungen und Ihre FĂ€higkeiten berĂŒcksichtigt. 

Quellen und weiterfĂŒhrende Informationen: