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Aktuelles aus der Herzmedizin

Totalendoskopische Klappenoperation jetzt in der Herzchirurgie am Klinikum Kassel möglich

Die Klinik für Herzchirurgie bietet ab sofort ein für die Patient*innen schonendes Verfahren an, um Mitralklappen-Erkrankungen zu behandeln.

Von links nach rechts: Dr. Uwe Langebracke (leitender Oberarzt der Anästhesie), Tamari Tvildiani (leitende Oberärztin und Stellvertreterin des Chefarztes), PD Dr. Ali Asghar Peivandi (Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie)
KasselHerzmedizin

Die Mitralklappe ist eine von vier Klappen am Herzen und trennt den linken Vorhof vom linken Ventrikel. Sie sorgt dafür, dass das Blut nur in eine Richtung fließt. Schließt die Mitralklappe nicht richtig und arbeitet „insuffizient“, leiden die Betroffenen unter Einschränkungen im Alltag. Für Treppensteigen oder andere einfache Alltagstätigkeiten fehlt schnell der Atem.

Die Funktion der Mitralklappe wird durch verschiedenen Großteil schonende operative Verfahren wiederhergestellt, allerdings ist dazu eine Komplett- bzw. Teileröffnung des Brustbeins oder Spreizung der Rippen notwendig. Nun bietet die Klinik für Herzchirurgie am Klinikum Kassel unter der Leitung von PD Dr. Ali Asghar Peivandi zusätzlich die neue und wesentlich schonendere totalendoskopische Klappenoperation an.

Zahlreiche Vorteile für die Patient*innen durch Totalendoskopie

Durchgeführt werden die Operationen von der leitenden Oberärztin und stellvertretenden Chefärztin Tamari Tvildiani. Sie sagt: „Diese Art von Eingriff stellt nicht nur die Zukunft der Herzchirurgie dar, sondern viel wichtiger: Für die Patient*innen ist das neue Operationsverfahren weitaus schonender. Weniger Schnitte, weniger Wundfläche, weniger Schmerzen, weniger Schmerzmedikamente und eine kürzere Zeit auf Intensivstation nach der OP – dafür eine schnellere Heilung und eine sehr gute Langzeitprognose“.

Vor der Operation werden die Patient*innen umfassend untersucht: eine Computertomographie (CT) und eine differenzierte Untersuchung der Leiste sind die Voraussetzung für eine OP. Chefarzt PD Dr. Ali Asghar Peivandi ergänzt: „Jede OP wird für die Patient*innen individuell geplant. Die Voruntersuchungen geben uns Aufschluss darüber, wie genau das Herz liegt und wie groß gewisse Abstände sind. Wir bereiten uns intensiv auf jeden Eingriff vor.“

PD Dr. Ali Asghar Peivandi (Chefarzt der Klinik für Herzchirurgie) und Tamari Tvildiani (leitende Oberärztin und Stellvertreterin des Chefarztes) im Gespräch.

Totalendoskopische Klappenoperation über einen dreidimensionalen Bildschirm

Über einen zirka 3 Zentimeter großen Schnitt seitlich zwischen den Rippen werden die endoskopischen Geräte wie Kamera und weiteres Equipment eingeführt. Weil das Operationsfeld - wie sonst oft üblich - nicht frei einsehbar ist, schaut die leitende Oberärztin Tvildiani während des Eingriffs konzentriert auf einen speziellen Bildschirm, der den Bereich dreidimensional darstellt. Dazu trägt sie eine besondere Brille, die das räumliche Sehen unterstützt. Die Patient*innen werden über die Leiste an die Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Diese übernimmt für den Moment, in dem die Aorta abgeklemmt wird und das Herz stillsteht die Funktion des Herzes und der Lunge. Sie versorgt den Körper mit sauerstoffreichem Blut, während die erkrankte Mitralklappe rekonstruiert und die Sehnenfäden ersetzt werden.

Die Operation dauert ungefähr zwei bis drei Stunden. In dieser Zeit arbeitet das Team aus Operateurin Tvildiani, Operationsassistenz, Kardioanästhesie, OP-Pflege und Kardiotechnik äußerst konzentriert und präzise. Im Nachgang der Operation werden die Patient*innen zunächst auf die Intensivstation verlegt. Nach zirka einer Woche können sie das Krankenhaus mit deutlich verbesserter Leistungsfähigkeit wieder verlassen.

Wir besprechen im Vorfeld alle Details mit den Patient*innen. Je transparenter und aufgeklärter die Patient*innen, desto besser.

Tamari Tvildiani | leitende Oberärztin und Stellvertreterin des Chefarztes

Umfassende Vorbereitung auf neues OP-Verfahren

Tamari Tvildiani hat sich umfassend auf den ersten Eingriff vorbereitet. An Simulatoren hat sie praktisch geübt und auch an Unikliniken in Hamburg und Bonn hospitiert, um von erfahrenen Kolleg*innen zu lernen. Mittlerweile hat sie ein gutes Dutzend Eingriffe vorgenommen. Weitere sind bereits geplant, denn die Schädigung von Mitralklappen ist in der heutigen Zeit eine recht häufige Erkrankung.

Weg in die Klinik für Herzchirurgie

Patient*innen, die von einer Mitralklappen-Erkrankung betroffen sind, können über behandelnde Kardiolog*innen eine Überweisung für die Klinik für Herzchirurgie erhalten. Erreichbar ist das Team für die ambulante Terminvergabe unter der Telefonnummer: 0561 980-5188.

Im Rahmen eines Beratungsgesprächs wird geklärt, welche Methoden für die Behandlung der Klappenerkrankungen geeignet sind und die Machbarkeit einer totalendoskopischen Klappenoperation überprüft. Aufgrund der aufwendigen präoperativen Diagnostik wird das Verfahren im Moment nur bei elektiven, d.h. planbaren Behandlungen durchgeführt.
 


Weitere Informationen zur Klinik für Herzchirurgie auf der GNH-Website: 
Klinik für Herzchirurgie in Kassel